Bewusst einkaufen

Ein grenzenlos erscheinendes Sortiment macht es vielen Verbrauchern nicht leicht, sich für Produkte des täglichen Bedarfs zu entscheiden. Mit diesen Tipps können Sie sich im Einkaufsdschungel leichter zurechtfinden und bewusster sowie nachhaltiger Kaufentscheidungen treffen.

Artikel vom Mo, 29. Januar 2018

So kaufen Sie bewusst ein

Der gute alte Einkaufszettel hat sich bewährt. Er unterstützt uns dabei, nur zu den Produkten zu greifen, die wir auch wirklich brauchen und reduziert Spontankäufe und Überflüssiges auf ein Minimum. Indem Sie nur die Mengen kaufen, bei denen Sie wissen, dass Sie sie auch zügig verbrauchen werden, vermeiden Sie das Wegschmeißen von verdorbenen Lebensmitteln und anderen Produkten, die zu lange gelagert wurden und deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Sie sollten daher nach Möglichkeit immer frisch kaufen und nur sehr kleine Vorräte anlegen (z.B. Nudeln, Gemüsekonserven). Nehmen Sie sich deshalb immer ein paar Minuten Zeit, bevor Sie sich auf den Weg zum Supermarkt machen. Überlegen Sie, was Sie am dringendsten benötigen, schauen Sie in Ihre Vorratsschränke und schreiben Sie alles auf

Sinnvoll kann es hierbei sein, nach Produktgruppen zu sortieren, z.B. (1) nach Obst und Gemüse, (2) Getreideprodukte/ Backwaren, (3) Tierische Erzeugnisse (Fleisch und Milchprodukte), (4) Andere Nahrungsmittel (z.B. Konserven, Marmeladen, Öle etc.) und (5) Drogerie/ Haus/ Garten (darunter fallen alle Pflegeprodukte, Küchenhelfer sowie Putzmittel und Pflanzen). Mit einem sortierten Einkaufszettel können Sie die jeweiligen Abteilungen in dem Geschäft Ihrer Wahl gezielt aufsuchen und so Zeit und Geld sparen

Achten Sie auf Qualität. Im Hinblick auf eine vollwertige Ernährung sollten naturbelassene Lebensmittel wie frisches Obst, Gemüse und Salat einen wesentlichen Anteil Ihrer Einkäufe ausmachen. Wann immer möglich, aus nicht-konventionellem Anbau. Bio-Qualität, die sich inzwischen auch bei den Discountern findet, ist eine Frage des Vertrauens. Verlässliche Öko-Siegel in Deutschland sind Demeter, Bioland und Naturland. Im Öko-Anbau wird auf den Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln und Mineraldünger weitgehend verzichtet. Der Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen ist generell nicht gestattet. Erzeugnissen der ökologischen Landwirtschaft dürfen vor dem Verkauf als Bio-Lebensmittel keine Geschmacksverstärker (wie z.B. Glutamat) sowie keine künstlichen Aromen, Farb-, und Konservierungsstoffe zugesetzt werden

Dank der Globalisierung steht uns heute eine überwältigende Auswahl von Lebensmitteln und anderen Waren aus aller Welt zur Verfügung. So spannend und bereichernd das ist: Den saisonalen Aspekt sollten Sie dennoch berücksichtigen und sich überlegen, ob z.B. importierte Erdbeeren aus Spanien oder Italien auch im Mai/Juni wirklich sein müssen, wenn es die regionale Qualität doch gerade vor Ihrer Haustür gibt

Sprich: Auf unseren Feldern und in unseren Gärten. Und wenn wir mal ehrlich sind: Erdbeeren, aber auch Tomaten, Paprika und Gurken schmecken nur in den Sommermonaten wirklich gut, weil einfach das Klima für sie stimmt und die erfrischenden Früchte durch die Kraft der Sonne auch ihr volles Aroma entfalten können. In den Herbst- und Wintermonaten helfen uns dann z.B. heimische Birnen und Äpfel, die im Herbst geerntet wurden und über den Winter gelagert werden, unseren Vitamin-C-Bedarf zu decken. Das gilt auch für heimische Gemüsesorten wie z.B. Rosenkohl und Grünkohl, die wahre Vitamin-C-Bomben sind und dazu noch viele Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, welche unser Immunsystem unterstützen. Feldsalat ist ein klassischer Salat in der kälteren Jahreszeit, schmackhaft und voller Vitalstoffe wie z.B. Eisen, so dass der wässrige und fade Eissalat aus dem spanischen Gewächshaus eigentlich nur verlieren kann

Wenn Sie verarbeitete Produkte kaufen möchten, achten Sie auf die Zutatenliste auf der Verpackung. Steht zugesetzter „Zucker“ dort sehr weit oben, sollten Sie nur hin und wieder das entsprechende Produkt in Ihren Einkaufskorb legen und es Zuhause auch nur maßvoll verzehren. Ebenfalls nur sehr eingeschränkt konsumieren sollten Sie industriell hergestellte Nahrungsmittel mit Farb-, Aroma-, und Konservierungsstoffen; wenn nicht anders ausgewiesen sind sie an den E-Nummern zu erkennen. Dabei handelt es sich um Substanzen, die in der EU als Zusatzstoffe für Lebensmittel zugelassen sind und sowohl natürlichen als auch synthetischen Ursprungs sein können. Einige von ihnen stehen im Verdacht, krebsfördernd zu sein. Ein sehr häufig zu findender Zusatzstoff unter den Zutaten ist Beta-Carotin, die Vorstufe des Vitamin A und ein Farbstoff, der natürlich in Karotten und Süßkartoffeln vorkommt. Er ist ein natürliches Antioxidans und gibt den Früchten ihre charakteristische orangene Färbung, wird aus Kostengründen jedoch fast immer künstlich hergestellt und dann als Farbstoff E 160a (ß-Carotin, Beta-Carotin) hinzugegeben und deklariert. Zum Beispiel bei Margarine

Ganz meiden sollten Sie Produkte mit einem bestimmten zugesetzten Zuckersirup, deklariert als „Glucose-Fruktose-Sirup“ oder auch „Isoglukose“. Eingesetzt wird dieses aus genmanipuliertem Mais gewonnene Massenprodukt schon seit längerer Zeit vor allem in den USA, als billige Alternative zu „Zucker“ in Getränken, Süßigkeiten, Kuchen, Puddings und Eiscremes und hat dort, begleitet durch einen hohen Konsum an Fett, zu enormer Dickleibigkeit geführt. Der reguläre Verbrauch von Zucker (sowie von überwiegend gesättigten Fettsäuren im besonderen) ist aber auch in Deutschland schon seit Jahren viel zu hoch. Mit schlimmen Folgen für die Gesundheit. Die Deutschen zählen mittlerweile sogar zu den Dickleibigsten in Europa. Im vergangenen Jahr 2017 fielen in der EU - ganz im Sinne der Nahrungsmittelhersteller - die Importbeschränkungen für Isoglukose, so dass zu befürchten ist, dass auch europäische Hersteller verstärkt zu diesem Billigzucker für ihre Produkte greifen werden. Zum Nachteil der europäischen Verbraucher

Isoglukose ist noch schädlicher als gewöhnliche Saccharose (Zucker) und steht in engem Zusammenhang mit der Entstehung von Übergewicht, Fettleber und Diabetes. Es beginnt zunächst harmlos. Mit zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken, Süßigkeiten, Eiscreme etc. Der Blutzuckerspiegel steigt schnell an. Unsere Bauchspeicheldrüse muss die entsprechenden Mengen an Insulin ausschütten, um den Blutzucker wieder zu senken. Das führt dazu, dass wir schneller wieder hungrig werden. Viele machen dann genau das falsche und greifen wieder zu industriellen Fertigprodukten, die viel Zucker und auch Fett enthalten. Denn eigentlich verlangt unser Körper nach Nahrung, die uns länger satt macht und auch genug wichtige Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralien enthält

Statt also lieber ein Stück frisches Obst oder Vollkornbrot mit Käse und Salat belegt zu essen, entscheidet man sich wieder für „schnelle Kohlenhydrate“ in Form von Süßem. Ein Kreislauf beginnt, der verhängnisvoll enden kann. Das Sättigungsgefühl nach dem Verzehr von stark gezuckerten Produkten hält immer nur kurz an. Wenn wir uns noch dazu nicht viel bewegen, werden überschüssige Kohlenhydrate in Fett umgewandelt und im Körper gespeichert. Auch in der Leber. Auf Dauer belastet viel Isoglukose (Zucker im allgemeinen) auch unsere Bauchspeicheldrüse. Das Insulin wirkt irgendwann gar nicht mehr oder seine Produktion wird sogar gänzlich vom Körper eingestellt. Der Beginn von Diabetes. Aus diesem Grund sollten Sie denaturierte, also stark verarbeitete Produkte mit viel zugesetzter Süße, nur sehr begrenzt zu sich nehmen oder sogar ganz meiden und auf eine vollwertige Ernährung achten. Für unseren Körper sind natürliche Lebensmittel seit jeher am besten

Lokal und regional zu kaufen fördert die heimische Wirtschaft aus ländlichen Betrieben und Erzeugern. Es schont zudem die Umwelt, wenn Sie bei Anbietern kaufen, die sich der ökologischen Landwirtschaft im Einklang mit der Natur verschrieben haben. Dazu gehört auch eine artgerechte Tierhaltung. Wenn Sie gerne Eier essen, kaufen Sie Bio-Eier von freilaufenden Hühnern. Die Einschränkung des Fleischkonsums empfiehlt sich. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass Massentierhaltung gewaltige Ressourcen verbraucht, z.B. riesige Landflächen in Südamerika zum Anbau von genmanipuliertem Soja als Futtermittel für Tiere in Europa

Qualität und Ökologie geht weit über das hinaus, was wir essen und trinken. In Bezug auf Putzmittel zum Beispiel können Sie ebenfalls auf Altbewährtes zurückgreifen. Wie Essig, Zitronensaft oder Natron (Natriumhydrogencarbonat). Sie entkalken, desodorieren, wirken fungizid und antibakteriell und übertreffen chemische Reiniger in ihrer Wirkung bei weitem. Die herkömmlichen Waschmittel im Handel müssen es auch nicht sein. Sie sind wie viele Haushaltsreiniger voller synthetischer Duftstoffe, die Hautirritationen bis hin zu Allergien auslösen können. Achten Sie also auch hier auf das Etikett und greifen Sie besser zu Alternativen mit Tensiden und Duftstoffen auf natürlicher Basis. Viele Körperpflegeprodukte wie Peelings für die Haut oder Zahncremes enthalten feinste Partikel aus Kunststoff, die zwar reinigen und polieren, schlussendlich aber in den Weltmeeren landen und das Ökosystem verunreinigen. Sogar im Eis der entlegenen Antarktis wurden diese Plastikpartikel bereits gefunden. Gemahlene Aprikosenkerne oder feiner Seesand haben dieselbe polierende Wirkung, sind aber natürlichen Ursprungs

Auch für Haus und Garten empfehlen sich Alternativen zu konventionellen Produkten, die „sanfte Chemie“ enthalten wie z.B. umweltfreundlichere Farben mit mineralischen Farbpigmenten. Und es geht bis hin zu Möbeln (am besten aus heimischen Hölzern) und unserer Bekleidung, die wir tagtäglich am Körper tragen und die frei von Giftstoffen sein sollte, z.B. von chemischen Bleich- und Färbemitteln, die man übrigens am unangenehmen Geruch erkennen kann (z.B. bei stark blau eingefärbten Jeans). Deshalb macht es auch hier Sinn, auf Qualität und Verarbeitung zu achten, sich über die eingesetzten Rohstoffe zu informieren bzw. wo und unter welchen Umständen das entsprechende Produkt gefertigt wurde bevor Sie Ihre Kaufentscheidung treffen

Das persönliche Konsumverhalten kritisch zu beleuchten und auch zu hinterfragen kann sehr aufschlussreich sein. In der Folge kaufen Sie mit einem besseren Gefühl und lassen oft sogar Produkte in den Regalen stehen, die Sie zuvor als selbstverständlich angesehen haben. Wenn Sie nachhaltiger einkaufen wollen sollten Sie sich vor Augen halten: Exporte und Importe bedeuten längere Wege und sind immer mit höheren Energie- und Transportkosten verbunden, welche die Ökobilanz beeinflussen. Das betrifft nicht nur das bereits erwähnte Obst und Gemüse aus Spanien und weiter entfernten Regionen, sondern auch andere Waren und Rohstoffe wie Textilien und exotisches Holz. Aber auch das weit verbreitete Palmöl, das sowohl in Nahrungsmitteln aber auch in Naturkosmetikprodukten steckt und wofür die für das Weltklima wichtigen Regenwälder besonders in Indonesien und Malaysia weichen müssen

Im Supermarkt nach Neuem Ausschau zu halten, weil der Mensch auch Abwechslung braucht, ist völlig in Ordnung. Lassen Sie sich aber nicht durch vermeintliche und überteuerte Produktinnovationen täuschen. Das meiste, was uns in farbigen Displays angeboten wird ist lediglich alter Wein in neuen Schläuchen. Nur eben anders verpackt. Mit dem entsprechenden Marketing beworben, erhoffen sich die Hersteller neuen Umsatz und Sie sollten genau überlegen, ob dieses oder jene neue Produkt wirklich sein muss

Noch einen Tipp haben wir für Sie: Erledigen Sie Ihre Einkäufe nach Möglichkeit nie, wenn Sie sehr hungrig sind. Hunger verleitet dazu, viel zu viel einzukaufen. Vor allem Nahrungsmittel, die stark kohlenhydrat- und fetthaltig sind. Frühstücken Sie deshalb oder essen und trinken Sie eine Kleinigkeit, bevor Sie zum Markt gehen. Das gibt Ihnen eine gewisse Grundlage an Energie und mindert Spontankäufe